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Euronormbehälter – ein genialer Standard

Sie sind in praktisch jeder Branche unverzichtbar, in der Produkte mit kleinen oder mittleren Maßen und Gewichten transportiert und gelagert werden. Eurobehälter oder auch Kleinladungsträger sind in der Logistik wortwörtlich die Norm und mehr als nur praktisch.

Für jeden Bedarf und jede nur denkbare Anforderung gibt es entsprechende Boxen. Stabil, dabei leicht und einfach zu reinigen. Selbstverständlich stapelbar und nachhaltig, denn zum einen bestehen Euroboxen aus nur einem Kunststoff und sind somit vollständig recycelbar und zum anderen besitzen die Boxen eine sehr hohe Lebensdauer. Aus diesen und aus weiteren Gründen sind Euronormbehälter ein genialer Standard.

Euronorm: am Anfang war die Europalette

Der Grund, warum es heute Euroboxen gibt, liegt natürlich im hohen Bedarf der Industrie und des Gewerbes, doch wie hat sich die Geschichte eigentlich entwickelt? Für die Suche nach den Anfängen ist eine Reise in den Norden Europas notwendig, nach Schweden. Der junge schwedische Ingenieur Ivan Lundquist reiste im Auftrag seiner Firma im Jahr 1948 in die USA. Dort erkannte er in den Gabelstaplern, die in den Staaten zu der Zeit schon lange in Betrieb waren, die hohe Funktionalität der Geräte. Zurück in Schweden entwickelte Lundquist auf dieser Basis den Handhubwagen. Um dessen praktische Anwendbarkeit zu erhöhen, ersannen die Schweden Ladungsträger aus Holz, die ersten Paletten mit Einheitsmaßen. Die wurden so erfolgreich, dass sie zunächst nur in Schweden zum Standard wurden. Im Jahr 1961 machte die Vereinigung der internationalen Eisenbahnen die schwedische Palette zur tauschbaren Europalette. Deren Erfolgsgeschichte ist bekannt.

Als nächste Wegmarke hin zur Eurobox kommt der Verband der Automobilindustrie ins Spiel. Die europäischen Fahrzeughersteller benötigten für die Serienfertigung und die Zulieferung einheitliche, gut transportierbare und lagerfähige Kisten. Zugleich sollten diese Kisten möglichst perfekt auf eine Europalette passen, um die Ladeflächen von Lkws und Eisenbahnwagons optimal ausnutzen zu können. So wurde der Euronormbehälter entwickelt. Der zunächst in der Fahrzeugindustrie angewandte Behälter wurde recht schnell von allen anderen Branchen adaptiert, die seine logistische Zweckmäßigkeit schnell erkannten.

Was ist eine Eurobox?

Die Basis für den Euronorm-Behälter stellt die Grundfläche von 1200 x 800 mm dar, die Außenmaße einer Europalette. Dementsprechend lassen sich Eurobehälter in ihren eigenen Außenmaßen immer durch 2 oder 3 teilen oder multiplizieren. Gängige Größen sind hierbei:

  • 600 x 400 mm (Vier Boxen pro eine Lage auf der Europalette)
  • 400 x 300 mm (Acht Boxen pro eine Lage auf der Europalette)
  • 300 x 200 mm (Sechzehn Boxen pro eine Lage auf der Europalette)

Mit diesen Einheitsmaßen lassen sich Paletten variabel beladen, gleichzeitig mit unterschiedlich großen Boxen, und trotzdem wird die Grundfläche immer voll ausgenutzt.

Natürlich beziehen sich diese Angaben nur auf die Grundflächen und nicht auf die Höhe der jeweiligen Box. Da Euronorm-Behälter stapelbar sind, können je nach der Höhe der Box eine weit größere Anzahl davon auf einer Palette Platz finden. Auch in der Höhe bestehen Standards, die zum Beispiel so aussehen:

  • 120 mm Seitenwandhöhe
  • 180 mm Seitenwandhöhe
  • 220 mm Seitenwandhöhe
  • 270 mm Seitenwandhöhe
  • 320 mm Seitenwandhöhe
  • 420 mm Seitenwandhöhe

Wie viele Boxen sich nun auf einer Europalette stapeln lassen, hängt weniger von der Stabilität der Boxen selbst ab, denn diese besitzen selbst in der Basisausführung mehrere Verstärkungsstege sowohl horizontal wie vertikal, die die geschlossene Rechteckform unterstützen. Das bedeutet, dass die möglicherweise einwirkenden Kräfte aus Zug, Druck und Auflast der einzelnen Box kaum etwas anhaben kann.

Vielmehr ist es zum einen das Gewicht der in den Boxen befindlichen Produkte oder Güter und die Höhe, die hier Grenzen setzen. In der Höhe sind die Richtmarken die Abstände der einzelnen Lagerebenen, etwa eines Hochregallagers, übereinander und in Bezug auf das Gewicht setzt die Norm die Grenze bei maximal zwei Tonnen Gesamtgewicht pro Europalette, wobei auch hier die Höchstbelastung des Lagerfaches berücksichtigt werden muss.

Natürlich bieten sich für hoch belastete Bereiche in der Produktion oder im Lager höherwertige beziehungsweise Premium Eurobehälter mit dickerer Wandstärke an. Deren Widerstandsfähigkeit im täglichen Umgang bewährt sich und macht sich bezahlt.

Aus was bestehen Euroboxen?

Der VDA, der Verband der Automobilindustrie, legte in seinen Normen für Eurobehälter fest, dass zur Herstellung nur der Kunststoff Polypropylen genommen werden darf. Inzwischen gibt es auch Behälter aus anderen Kunststoffen, etwa Polyethylen, wobei ein wichtiger Grundsatz ist, dass jede Box aus nur einem Kunststoff besteht. Der Gedanke dahinter ist die Recyclingfähigkeit des Behälters zum Ende seiner Nutzungszeit.

Polypropylen ist technisch gesehen der stärkere Bruder des Polyethylen und zeichnet sich vor allem durch seine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung aus. Gerade bei Kunststoffen stellt sich üblicherweise im Laufe der Jahre eine gewisse Sprödigkeit des Materials heraus. Polypropylen zeigt sich hier weitaus belastbarer als andere Kunststoffe, weshalb Euroboxen in vielen Betrieben oft eine Anschaffung fürs Leben sind. Selbst recht hohe oder tiefe Temperaturen können diesem Kunststoff kaum etwas anhaben. Während reines Polypropylen in Temperaturbereichen von 0 bis 100 Grad Celsius keinerlei Verformung oder Stoffveränderung zeigt, kann das Material durch Copolymerisation seine Temperaturbeständigkeit ausweiten. Die Hersteller geben aus Sicherheitsgründen eine Beständigkeit von -30 Grad bis +70 Grad an. Zusätzlich ist Polypropylen für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie und der Pharmazie geeignet.

In der Umweltverträglichkeit von Kunststoffen gibt es enorme Unterschiede. Das hat Greenpeace gesehen und die sogenannte Kunststoffpyramide erstellt, in der verschiedene, häufig eingesetzte Kunststoffe nach ihrer Umweltgefährdung eingestuft werden. Hier findet sich Polypropylen auf dem vorletzten Platz, was sehr gut ist, denn die Rangfolge geht von der höchsten zur niedrigsten Gefährdungsklasse. Nur Biopolymere sind noch Umweltverträglicher als die Polymere des Polypropylens und auch Polyethylen findet sich in dieser Stufe.

Die Eurobox, überall im Einsatz

Die Norm der Europalette und damit die des Eurobehälters durchzieht nicht nur die europäische Logistik wie einen roten Faden. Alle Bereiche, Geräte und Materialien sind darauf ausgerichtet. Von der Ladefläche der Lastwagen, den Flurförderzeugen, den Regallagern, den Transportbändern und Transportrollen bis hin zum automatisierten Kleinteilelager. Die Vielfalt und die Möglichkeiten der Euronormbehälter mit weiteren Ausstattungsmerkmalen wie Deckel, Verplombung und Unterteilung in Gefache macht sie einfach universell.

Logistik ist eine Verkettung unterschiedlicher Vorgänge mit verschiedenen Ansprüchen an die dabei eingesetzten Geräte. Die Anforderungen können je nach Teilbereich differieren, jedoch besteht die Notwendigkeit, die gesamte Prozesskette im Auge zu behalten. Das bedeutet, dass Materialien und Werkzeuge einzusetzen sind, die sich sowohl für die gesamte logistische Strecke wie auch für die einzelnen Segmente bestmöglich eignen. Euronorm-Behälter oder Euroboxen sind genau solche bestmöglich geeigneten Logistikgüter.